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Doppeltes Dienstjubiläum in Pfungstadt

Zweimal 20 Jahre feiern Gudrun Olschewski und Michael Dietrich in diesem Jahr. Das Ehepaar hat seit August 2002 zwei volle Pfarrstellen in der Evangelischen Kirchengemeinde Pfungstadt inne und nimmt das Dienstjubiläum zum Anlass nicht nur zurückzublicken, sondern auch über die Zukunft zu sprechen.

Zwischen neuen Formaten und Traditionspflege
Jubiläum: Pfarrerin Gudrun Olschewski und Pfarrer Michael Dietrich sind seit 20 Jahren in der Evangelischen Kirchengemeinde Pfungstadt tätig
 
Heiß brennt die Sonne in den Garten des Pfarrhauses in der Kaplaneigasse, doch im schattigen Innenhof ist es angenehm kühl. Die cremegelbe Putzfassade des schönen alten Gebäudes mit den blaugrauen Holz-Fensterläden und die abwechslungsreiche Bepflanzung bildet den Rahmen für das Gespräch mit Pfarrerin Gudrun Olschewski und Pfarrer Michael Dietrich. Das Ehepaar hat seit August 2002 zwei volle Pfarrstellen in der Evangelischen Kirchengemeinde Pfungstadt inne und nimmt das Dienstjubiläum zum Anlass nicht nur zurückzublicken, sondern auch über die Zukunft zu sprechen.  

Aktuell ist die schöne große Martinskirche mit Gerüsten eingehaust und wegen Renovierung des Daches geschlossen. „Das schmerzt, denn sie ist die ‚Gud Stubb‘ der Pfungstädter“, so Michael Dietrich. Aber der Kirchenvorstand ist kreativ und verlegt die Gottesdienste nach draußen. Diese finden unter anderem auf dem Vorplatz der Kirche statt und die Besucher*innen sitzen im ‚Kirchgarten‘, dem Außenbereich des Restaurants Kirchmühle an dem Flüsschen Modau. „Das ist eine lockere, offene Atmosphäre, etliche bleiben auch noch nach dem Gottesdienst“, beschreibt Gudrun Olschewski ihre Erfahrungen mit diesem Format, auch könnten ältere Menschen von der benachbarten Seniorenwohnanlage aus Predigt und Musik mitverfolgen. Freiluft-Gottesdienste wird es auch im Außenbereich des Dietrich-Bonhoeffer-Hauses geben und während des Phungo-Festivals im August auf dem ehemaligen Schwimmbadgelände sowie beim Feuerwehrfest im September.

„Diese besonderen Gottesdienste werden gut angenommen, die Zusammenarbeit ist über Jahre gewachsen,“ betont der 61-Jährige, der in Schaafheim - im Osten des Landkreises - aufgewachsen ist und in Frankfurt und Mainz Theologe studiert hat. Die evangelische Kirchengemeinde etabliere bewusst solche Angebote, um auf die Menschen in Pfungstadt zuzugehen. Dem Pfarrerehepaar war es von Anfang an wichtig, dass die Kirchengemeinde an Festen aktiv teilnimmt - insbesondere bei der Kerb. Neben einer Fußgruppe beim Umzug gibt es eine Kerb-Café-Oase und eine Reformbar mit alkoholfreien Cocktails. Aufmerksamkeit für die Kirche erreichte das Paar durch eine besondere Aktion im zweiten Jahr ihres Dienstes in Pfungstadt: im Rahmen der Kerb haben sie sich auf Höhe der Glocken der Martinskirche abseilen lassen.

Doch am Anfang gab es noch weitaus größere Herausforderungen. Karl-Heinz Jauch, 2002 Mitglied im Kirchenvorstand und damaliger Vorstandsvorsitzender des Nordbezirks erinnert im Gemeindebrief ‚kirchenzeitung‘ daran, dass Dietrich und Olschewski schon wenige Jahre nach Dienstantritt einen großen Umstrukturierungsprozess „hervorragend begleitet haben“. Denn wegen des Rückgangs der Gemeindemitglieder wurden die vier Pfarrstellen auf dreieinhalb, die Pfarrbezirke auf drei reduziert und neu zugeschnitten. Damit wurde auch die Aufteilung in Nord- und Südbezirk aufgegeben. Aus anfangs zwei Bezirksvorständen und einem Kirchenvorstand wurde dann ein gemeinsames Gremium, was die Abstimmung und Zusammenarbeit in den Gremien deutlich erleichtert habe, so Jauch und ergänzt: „Neue Gottesdienstformen konnten mit ihnen erfolgreich umgesetzt und Traditionen fortgesetzt werden.“

In einer so großen Gemeinde mit rund 5.500 Mitgliedern und zwei fünfgruppigen Kindertagesstätten in der Trägerschaft, mit vielen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden kommt dem geschäftsführenden Ausschuss, der einmal wöchentlich zusammenkommt, eine wichtige Rolle zu.  Dieser Ausschuss bereitet Themen vor und entlastet die Arbeit des Kirchenvorstandes. Die geschäftsführende Pfarrerin ist aktuell Gudrun Olschewski. Die 60-Jährige ist in Hattingen an der Ruhr geboren und hat evangelische Theologie in Bethel, Tübingen und Heidelberg studiert. Ihren Mann hat sie in Frankfurt kennengelernt, als beide im Vikariat in Bornheimer Kirchengemeinden tätig waren. Geheiratet haben die beiden 1991.

Während Michael Dietrich als Pfarrvikar und Pfarrer zwölf Jahre im dörflichen Offenthal tätig war, hat seine Frau zwei verschiedene Berufszweige weiterverfolgt: nach dem Pfarrvikariat in Langen war sie drei Jahre als Pfarrerin in Dudenhofen tätig und hat berufsbegleitend den zweijähriger Fernstudiengang „Öffentlichkeitsarbeit“ beim Gemeinschaftswerk Evangelischer Publizistik (gep) in Frankfurt aufgenommen und als Kommunikationswirtin 1996 abgeschlossen.

Das Thema Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit hat die Theologin auch beruflich weiter begleitet – als Mitarbeiterin des gep oder mit einer besonderen Beauftragung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), bei Kurzverkündigungen im Hessischen Rundfunk oder als verantwortliche Redakteurin der ‚kirchenzeitung‘, die viermal jährlich alle evangelischen Haushalte in Pfungstadt erreicht. Aktuell freut sich das Pfarrteam, zu dem auch Pfarrkollege Bernhard Dienst gehört, über viele Taufen, die Corona-bedingt verschoben wurden. Die vierte halbe Pfarrstelle in der Evangelischen Kirchengemeinde Pfungstadt ist frei.

„Neben den Angeboten für Kinder und Jugendliche, die von Gemeindepädagoge Kai Becker und jugendlichen Teamern geplant und durchgeführt werden, spielt auch die Kultur eine wichtige Rolle in der Kirchengemeinde“, so Dietrich und nennt die etablierten Pfungstädter Orgelwochen, die Kantor Christian Lorenz in der Martinskirche organisiert. Drei Mal habe bereits auch ein ausverkauftes Konzert der PRINZEN in der Kirche stattgefunden. Deshalb sei der Hessentag 2023 in Pfungstadt eine große Chance. Gudrun Olschewski ist Mitglied im Vorbereitungsteam und kann sich gemeinsam mit den EKHN-Verantwortlichen viele attraktive Angebote in und um die Martinskirche vorstellen, die direkt an der so genannten Hessentagsmeile liegt. Nicht nur während des Landesfestes, sondern insbesondere im Berufsalltag ist den beiden an einer guten Zusammenarbeit mit den evangelischen Kirchengemeinden in Eschollbrücken und Hahn gelegen. Die Zusammenarbeit mit anderen Religionsgemeinschaften wird von Michael Dietrich gepflegt, der in seinem Spezialpraktikum beim Amt für Mission und Ökumene zum Thema ‚Kirche und Muslime in der Bundesrepublik‘ arbeitete.

Übergemeindliche Aufgaben nahmen und nehmen beide wahr, um neue Perspektiven zu entwickeln sich mit anderen auszutauschen und ihre Erfahrungen einzubringen. So war Dietrich im Dekanat Dreieich Mitglied im Dekanatssynodalvorstand und sechs Jahre stellvertretender Dekan. Seit vielen Jahren ist er Beauftragter für Prädikant*innen und Lektor*innen im Dekanat und seit 2019 Mitglied der Kirchensynode der EKHN. Olschewski engagierte sich mehr als zwölf Jahre als Mitglied im Pfarrerausschuss der EKHN.

Auf die Frage nach der Rollenverteilung im Pfungstädter Pfarrteam lachen beide verschmitzt: „Wir haben durchaus unterschiedliche Auffassungen zu Themen, die die Gemeinde betreffen, sie ist eher die Person, die pointiert einen Standpunkt vertritt, ich eher der Vermittler“, erläutert Dietrich. Und wie sind die Zukunftsperspektiven in Pfungstadt? Wenn es nach Karl-Heinz Jauch geht, werden sie noch ein paar Jahre bleiben, um einige Aufgaben zu erledigen. Das sehen Dietrich und Olschewski ebenso, Pfungstadt und die Entwicklung der Kirchengemeinde liegen den beiden am Herzen. Daher wollen sie in den verbleibenden sechs Jahren bis zu ihrem Ruhestand die Weiterentwicklung der Gemeinde begleiten und die Veränderungen im Rahmen des Prozess ekhn2030 gut vorbereiten.

Neben all diesem vielfältigen beruflichen Engagement gibt es auch private Auszeiten, die das Ehepaar pflegt. „Seit mehr als 15 Jahren tanzen wir freitags abends rund eineinhalb bis zwei Stunden Standard und Latein in der Tanzsportabteilung des Turnvereins Eberstadt“, freut sich Olschewski. Apropos sportlich: wann immer möglich sind sie in Pfungstadt mit dem Fahrrad unterwegs, selbst zum Friedhof, und waren wieder Teil des evangelischen Teams, das sich am dreiwöchigen Stadtradeln beteiligte und den 3. Platz errang. Und im idyllischen Garten des Pfarrhauses gibt es immer was zu tun, Obstbäume und -sträucher brauchen auch hin und wieder Pflege.

Biografisches:

Michael Dietrich, Jahrgang 1961, geboren in Schaafheim. Theologie-Studium in Frankfurt und Mainz, Vikariat von 1988 – 89 in der Heilandsgemeinde Frankfurt-Bornheim. Spezialpraktikum beim Amt für Mission und Ökumene zum Thema ‚Kirche und Muslime in der Bundesrepublik. Von 1990 war er zunächst zwei Jahre Pfarrvikar und zehn Jahre Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Offenthal. Während dieser Zeit Mitglied im Dekanatssynodalvorstand des Dekanats Dreieich und sechs Jahre stellvertretender Dekan. Im August 2002 wechselte er nach Pfungstadt. Im Dekanat Darmstadt-Land Beauftragter für Prädikant*innen und Lektor*innen, diese Aufgabe übernimmt er auch im neuen Dekanat Darmstadt. Außerdem ist er seit 2019 Mitglied der Kirchensynode der EKHN.

Gudrun Olschewski, Jahrgang 1961, geboren in Hattingen an der Ruhr. Studium der Evangelischen Theologie in Bethel, Tübingen und Heidelberg. 1988 - 1989 Vikariat in der Neuen St. Nicolai Gemeinde in Frankfurt-Bornheim, danach ein Spezialpraktikum im Amt für Evangelische Öffentlichkeitsarbeit in Frankfurt. 1990 - 1993 Pfarrvikariat in der Ev. Petrusgemeinde Langen, bis September 1996 Pfarrerin in der evangelischen Kirchengemeinde Dudenhofen. Berufsbegleitend zweijähriger Fernstudiengang „Öffentlichkeitsarbeit“ beim Gemeinschaftswerk Evangelischer Publizistik (gep) in Frankfurt und Abschluss zur Kommunikationswirtin 1996. Ein Jahr mit halber Stelle in der Kirchengemeinde Götzenhain und eine halbe Stelle als freie Mitarbeiterin beim gep und anschließend halber Dienstauftrag als Mitglied des „Operativen Teams“ zur Begleitung der Prioritätenplanung und Ressourcenkonzentration in der EKHN. Ab Januar 2001 Theologische Referentin der Pröpstin für Rhein-Main, seit 1. August 2002 Pfarrerin in der Kirchengemeinde Pfungstadt. Von 2009 bis 2022 Mitglied im Pfarrerausschuss der EKHN.

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