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Ahmad Milad Karimi und die Sängerin Niki in Nieder-Ramstadt

Prof. Ahmad Milad Karimi und die Sängerin Niki haben in der evangelischen Ortskirche in Nieder-Ramstadt einen poetisch-musikalischen Abend über den Mystiker Rumi im Rahmen der "Mystischen Momente Mühltal" zum Thema Wasser gestaltet. Hier ein Bericht.

Liebe ist wie Wasser

Ahmad Milad Karimi und die Sängerin Niki widmen sich in Nieder-Ramstadt poetisch-musikalisch dem Mystiker Rumi


Bei der Veranstaltungsreihe „Mystische Momente Mühltal“ stand diesmal das Thema Wasser im Mittelpunkt. Den Abschluss der diesjährigen Reihe bildeten der Religionsphilosoph und Islamwissenschaftler Professor Ahmad Milad Karimi und die Sängerin und Songwriterin Niki. Unter dem Titel „Du bist der Tropfen, das Meer“ führten die beiden am zweiten Advent in der gut besetzten Evangelischen Kirche in Nieder-Ramstadt in die Welt des persischen Mystikers Rumi. Pfarrerin Ilka Friedrich, im Evangelischen Dekanat Darmstadt für Ökumene und Interreligiöses Gespräch zuständig, moderierte den poetisch-musikalischen Abend. Ilka Friedrich wird ab Februar auch die Nachfolge von Clemens Bittlinger antreten, der seit 1. November im Ruhestand ist und die Reihe „Mystische Momente Mühltal“ im Rahmen seiner Stelle als Pfarrer für Mission und Ökumene im Dekanat gemeinsam mit den Evangelischen Kirchengemeinden Mühltals sowie der Theophrastus-Stiftung Mühltal mehr als zehn Jahre lang organisiert hat. 

Ahmad Milad Karimi, Professor für Islamische Philosophie und Mystik an der Universität Münster, rezitierte Gedichte des Mystikers Rumi aus dem 13. Jahrhundert, den er bereits als Kind in seiner Heimat Afghanistan gehört habe, wie er erzählte. Er las ausgewählte Texte zunächst auf Deutsch, dann auch auf Persisch, um den Klang des mittelalterlichen Originals zu Gehör zu bringen und wirken zu lassen. 

Karimi legte die Verse wortgewandt aus. Etwa, dass der Weg des Wassers von der Quelle bis zum Meer das „Schauspiel des Menschseins“ widerspiegele, das sich in jedem Tropfen Wasser wiederhole. Passend zu den Texten trug Niki eigene Lieder vor, die sie selbst an der Gitarre begleitete. Vielsprachig wuchs sie auf und in vielen Sprachen sang sie, neben Englisch und Deutsch auch auf Persisch und Arabisch. Mal melancholisch, mal beschwingt untermalte sie die Auslegungen der Texte Rumis durch Ahmad Milad Karimi. Harmonisch wechselten sich Texte und Lieder ab und zogen das Publikum in ihren Bann. Bezugnehmend auf einen Vergleich des Wassers mit der Liebe bei Rumi suchte Karimi immer auch nach Deutungen für die heutige Welt, „in der Liebe nichts wert ist und Kriege und Missbrauch zum Alltag gehören“. Er zog auch Querverbindungen zu christlichen Texten, etwa dem Psalm 27, welcher in den Fresken der alten Kirchenmauern zu entdecken ist.

Dass zur Liebe auch der Schmerz gehöre, gehe ebenfalls aus Rumis Dichtung hervor, so Karimi. So finde die Liebe durch den Schmerz ihren Weg zur Seele, der Schmerz stifte Empfindsamkeit. Aus Rumis Versen könne man auch lernen, Stille zu üben, so Karimi: „Höre, bevor du urteilst.“ Die Frage, welcher Gott diese Welt zulasse und wie man noch Glauben in sich tragen könne, sei in Rumis Werk zu finden und bis heute aktuell. Der Ruf des Menschen nach Gott berge bereits dessen Antwort, da zu sein, so Karimi: „Im Ruf ‚O Gott‘ verbirgt sich hundertfach mein ‚Hier bin ich‘.“ Die Bindung zu Gott sei „ein Ereignis der Liebe“, ein „Fenster von Herz zu Herz“, ein Sehnen und Suchen.

Schließlich fasste Karimi zusammen, dass Rumis Lehre die eigene Haltung prägen könne: weniger geben - mehr nehmen, weniger sagen - mehr hören, weniger belehren - mehr lernen, weniger verurteilen – mehr verstehen, weniger ich – mehr du, weniger Prosa – mehr Poesie.

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